Kula

Auf den Trobriand-Inseln existiert mit dem Potlatsch ein komplexes Tauschzeremoniell, das Wert- und Gebrauchsgegenstände, Nahrungsmittel, Feste und Dienstleistungen aller Art umfasst. Die verschiedenen Stämme machen sich in einem Turnus Geschenke, die jeweils beim nächsten Zusammenkommen überboten werden sollten. 

Besondere Bedeutung kommt hierbei dem Tausch von Kula-Ringen und -Armreifen zu, die einzig repräsentativen Charakter haben. 

Da die Inselgruppe nahezu kreisförmig angeordnet ist, wird vorwiegend mit den benachbarten Inseln getauscht. Hierbei werden soulava (Ketten) im Uhrzeigersinn getauscht. Dies entspricht in ihrer Mythologie dem weiblichen Kreislauf. Die mwali (Armreifen) werden im Gegenuhrzeigersinn getauscht, gemäss dem männlichen Kreislauf. Die Armreifen und Ketten werden reihum weitergereicht und verbleiben immer für eine festgelegte Zeit im Besitz eines Stammes/ einer Person. Mit der Annahme verpflichtet sich der Beschenkte, dem Objekt Sorge zu tragen und eine Gegengabe zu geben. Den Reifen und Ketten liegt ein spezifisches Eigentumsrecht zugrunde: Sie sind Besitz, Pfand, Leihgabe und Mandat zugleich.

Ziel ist es, dass ein Reif oder eine Kette alle Inseln durchläuft und wieder an den Ursprungsort zurück findet. Das Überlassen eines Wertgegenstandes bringt gegenseitiges Vertrauen zum Ausdruck und knüpft soziale Banden.

© 2023 Georg Keller

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